Spielervertrag
vertrag

UEFA-Lizenz bei offenen Spielergehältern: Stichtag und Nachweis

UEFA-Lizenz und offene Spielergehälter richtig einordnen: Stichtage, Arbeitnehmerverbindlichkeiten, Vergleich, Nachweis und Dokumentation.

BRANDAUER Rechtsanwälte
Ihre Kanzlei

BRANDAUER Rechtsanwälte

Salzburger Kanzlei für Sportrecht, Vertrags- und Wirtschaftsrecht

Hinter jeder Mandatsbetreuung steht ein eingespieltes Team aus Rechtsanwälten, Juristen und Spezialisten. Fragen zum Spielervertrag prüfen wir mit Blick auf Vertrag, Beweise, Fristen und wirtschaftliche Folgen.

2. September 2026 · Mag. Bernhard Brandauer, Rechtsanwalt

Offene Spielergehälter können im UEFA-Lizenzverfahren zu einem Dokumentationsproblem für den Verein werden. Maßgeblich ist dabei nicht nur, ob am Prüfungstag Geld fehlt. Entscheidend ist, welche vertraglichen oder gesetzlichen Arbeitnehmerverbindlichkeiten bis zum 28. Februar fällig waren und wie der Verein sie zum 31. März nachweist.

Artikel 72 der UEFA Club Licensing and Financial Sustainability Regulations, Edition 2025, verlangt eine strukturierte Mitarbeiterübersicht. Darin müssen offene, gestundete und bestrittene Beträge nachvollziehbar erscheinen. Der Nachweis betrifft die Lizenzierung des Vereins und ist von der Frage getrennt, ob ein Spieler seinen Vertrag nach FIFA-Regeln beenden oder eine Gehaltsforderung geltend machen kann.

Kurze Einordnung

Welcher Teil der Lizenzprüfung steht im Vordergrund?

Wählen Sie die Situation, die Ihrem Fall am nächsten kommt. Der Kurzcheck ordnet die nötigen Unterlagen und die zeitliche Prüfung.

Sie können Ihre Situation gleich hier weiterleiten.

01 Frage 1

Aus welcher Rolle prüfen Sie den Sachverhalt?

Ergebnis

Ihre Einschätzung

01

Die Übersicht muss den Stand zum 28. Februar und die Entwicklung bis zum 31. März getrennt zeigen.

Erstellen Sie je Person eine Liste mit Funktion, Beschäftigungszeitraum, Fälligkeit, Betrag, Zahlung und Rest. Gleichen Sie diese Übersicht mit der Buchhaltung ab und kennzeichnen Sie jede Position eindeutig.

02

Eine Stundung braucht eine nachvollziehbare ursprüngliche und neue Fälligkeit sowie eine schriftliche Vereinbarung.

Sichern Sie den Vergleich oder die Stundungsvereinbarung mit Abschlussdatum und Zahlungsplan. Trennen Sie gestundete Beträge von tatsächlich überfälligen Beträgen und legen Sie allfällige Zahlungen bis 31. März offen.

03

Bei bestrittenen Beträgen müssen Streitgrund, Aktenzeichen und die Positionen beider Seiten dokumentiert werden.

Ordnen Sie Vertrag, Abrechnung, Einwendungen und laufende Verfahren in einer Chronologie. Die Lizenzübersicht sollte erkennen lassen, welcher Betrag bestritten wird und worauf sich die jeweilige Position stützt.

Artikel 72 UEFA: Welcher Prüfzeitpunkt zählt?

Artikel 72.01 knüpft den Nachweis an den 31. März vor der jeweiligen Lizenzerteilungssaison. Der Lizenzbewerber muss zu diesem Zeitpunkt belegen, dass keine überfälligen Arbeitnehmerverbindlichkeiten bestehen, die aus vertraglichen oder gesetzlichen Pflichten stammen und bis zum 28. Februar fällig waren.

Die beiden Daten haben unterschiedliche Aufgaben. Der 28. Februar ist der Fälligkeits- und Aufnahmestichtag für die zu erfassenden Verpflichtungen. Der 31. März ist der spätere Kontrollzeitpunkt, zu dem der Verein den Bestand und allfällige bis dahin verbliebene Überfälligkeiten nachweist. Eine Zahlung nach dem 28. Februar wird daher nicht unsichtbar, sondern muss in der zeitlichen Entwicklung richtig eingeordnet werden.

Für die Vorbereitung sollten die Lizenzsaison, das maßgebliche Abgabeverfahren und die vom zuständigen Lizenzgeber verlangte Form zuerst bestätigt werden. Artikel 72 gibt den materiellen Rahmen vor. Die konkrete Einreichung kann zusätzliche Formblätter oder technische Vorgaben des nationalen Lizenzgebers enthalten.

Welche Spielervergütung in die Übersicht gehört

Nach Artikel 72.02 sind Arbeitnehmerverbindlichkeiten alle Gegenleistungen, die aufgrund vertraglicher oder gesetzlicher Pflichten geschuldet werden. Genannt werden Löhne, Gehälter, Zahlungen für Bildrechte, Boni und weitere Vorteile nach Annex K.1.2(c). Die Prüfung darf daher nicht auf das monatliche Grundgehalt verkürzt werden.

Bei einem Spieler können neben dem Fixum etwa Einsatzprämien, Punktprämien, vereinbarte Bildrechtezahlungen, Unterkunft, Fahrzeug oder andere Sachleistungen relevant sein. Jede Position braucht eine klare Grundlage. Eine offene Summe wird nicht allein deshalb zu einer Lizenzverbindlichkeit, weil sie in einer E-Mail oder einer Abrechnung erwähnt wird.

Für die Tabelle ist eine Trennung nach Anspruch, Fälligkeit und Status sinnvoll. So lässt sich zeigen, welcher Betrag unbestritten überfällig ist, welcher Betrag vereinbarungsgemäß später bezahlt wird und welcher Betrag in seiner Entstehung oder Höhe bestritten wird. Der Vergütungs-Check hilft bei der ersten Ordnung von Grundvergütung, Prämien und Sachleistungen.

Spieler, Staff und Konzerngesellschaften mitprüfen

Artikel 72.03 erfasst alle professionellen Spieler nach den FIFA-Regulations on the Status and Transfer of Players. Zusätzlich nennt die Bestimmung administratives, technisches, medizinisches und sicherheitsbezogenes Personal mit den in den Artikeln 36 bis 52 beschriebenen Funktionen. Auch bestimmte Dienstleister können einzubeziehen sein.

Die Bezeichnung eines Vertrags entscheidet daher nicht allein. Für die Lizenzprüfung ist zu klären, welche Person welche Funktion ausgeübt hat, in welchem Zeitraum sie beschäftigt oder beauftragt war und auf welcher Grundlage die Zahlung geschuldet wurde. Das betrifft auch Personen, die zum 28. Februar nicht mehr tätig waren.

Artikel 72.04 erweitert den Blick auf die rechtliche Gruppenstruktur und den Berichtsperimeter. Wird ein Spieler oder Staff von einer anderen Gesellschaft im Konzern beschäftigt, beauftragt oder beraten, können die entsprechenden Verbindlichkeiten trotzdem in den Umfang der Prüfung fallen. Die Schwerpunktseite zu Vereinen und Spielerverträgen unterstützt bei der Zuordnung von Vereinsrollen und Zuständigkeiten.

Ehemalige Spieler: Warum das Vertragsende nicht genügt

Nach Artikel 72.05 bleiben Beträge im Prüfbereich, die Personen zustehen, die nicht mehr beim Lizenzbewerber beschäftigt oder beauftragt sind. Entscheidend ist die vertragliche oder gesetzliche Fälligkeit. Die Beendigung des Vertrags nimmt eine offene Zahlung daher nicht aus der Mitarbeiterübersicht.

Das ist in der Praxis etwa bei einer Schlussrate, einem Bonus nach Saisonende, einer Abgeltung oder einer noch offenen Bildrechtezahlung wichtig. Die Unterlagen sollten den Beginn und das Ende der Tätigkeit sowie die Fälligkeit jeder Position zeigen. Eine spätere Abrechnung darf nicht mit dem Vertragsende verwechselt werden.

Auch ein Spieler, der bereits zu einem anderen Verein gewechselt ist, kann in der Übersicht des früheren Vereins auftauchen, wenn eine fällige Verpflichtung offen geblieben ist. Für die Lizenzprüfung zählen die dokumentierte Forderung und ihr Status. Die Frage, ob daraus zusätzlich ein sportrechtlicher oder arbeitsrechtlicher Streit folgt, ist davon getrennt zu behandeln.

Mitarbeitertabelle zum 28. Februar richtig aufbauen

Artikel 72.06 verlangt eine Mitarbeitertabelle mit dem Gesamtbetrag der Verbindlichkeiten, dem Gesamtbetrag der überfälligen Beträge und dem am 31. März noch offenen Rest, jeweils ausgehend vom Stand zum 28. Februar. Zusätzlich sind gestundete und bestrittene Beträge auszuweisen.

Für die Einzelpositionen verlangt Artikel 72.07 mindestens Name und Funktion, Beginn und Ende der Tätigkeit, die überfälligen Beträge mit den jeweiligen Fälligkeiten sowie allfällige Zahlungen zwischen 28. Februar und 31. März. Bei einer Stundung sind ursprüngliche und neue Fälligkeit sowie das Datum der schriftlichen Vereinbarung festzuhalten.

Bei einem Streit gehören die Verfahrensreferenz und eine kurze Beschreibung der Positionen aller Beteiligten in die Unterlagen. Eine bloße Sammelzeile wie „Spielergehälter offen“ genügt für diese Prüfung nicht. Praktisch bewährt sich eine Haupttabelle mit einer Belegmappe pro Person und einer kurzen Chronologie für jede Abweichung.

Abstimmung mit der Buchhaltung und Bestätigung

Artikel 72.08 verlangt die Abstimmung der Mitarbeitertabelle mit den zugrunde liegenden Buchhaltungsaufzeichnungen. Die Tabelle ist daher keine isolierte Rechts- oder Personaldatei. Jeder Saldo sollte auf eine Buchungsgrundlage, eine Abrechnung, eine Vereinbarung oder einen Zahlungsnachweis zurückgeführt werden können.

Abweichungen zwischen Vertrag, Lohnverrechnung, Kreditorenbuchhaltung und Bankkonto müssen vor der Einreichung geklärt werden. Besonders heikel sind Teilzahlungen, Verrechnungen, Währungsumrechnungen, Rückforderungen und Beträge, die über eine Konzerngesellschaft abgewickelt wurden. Die Begründung einer Abweichung gehört in die Dokumentation.

Nach Artikel 72.09 muss der Lizenzbewerber die Vollständigkeit, Richtigkeit und Regelkonformität der Mitarbeitertabelle bestätigen. Die Bestätigung wird durch eine kurze Erklärung und die Unterschrift des Leitungsorgans oder der vertretungsbefugten Unterzeichner belegt. Wer unterschreibt, sollte die zugrunde liegenden Belege und die interne Freigabe nachvollziehbar kennen.

Überfällig, gestundet oder bestritten sauber trennen

Ein Betrag ist für die Lizenzdokumentation anders zu behandeln, je nachdem ob er fällig und unbezahlt, aufgrund einer schriftlichen Vereinbarung gestundet oder in Bestand und Höhe bestritten ist. Diese Kategorien dürfen nicht aus Gründen der Darstellung vermischt werden. Jede Zuordnung braucht eine kurze sachliche Begründung.

Bei einer Stundung müssen die ursprüngliche Fälligkeit, die neue Fälligkeit und das Datum der schriftlichen Vereinbarung erkennbar sein. Bei einem bestrittenen Betrag sollten Forderung, Einwendung, Aktenzeichen und der aktuelle Stand des Verfahrens zusammengeführt werden. Eine bloße interne Notiz ohne Bezug zum Vertrag oder zur Kommunikation ist dafür zu schwach.

Die Lizenzprüfung entscheidet nicht automatisch über den zivilrechtlichen Anspruch des Spielers. Umgekehrt nimmt ein laufender Streit dem Verein nicht die Pflicht, die Position vollständig und transparent zu erfassen. Für die sportrechtliche Ebene bietet die Schwerpunktseite zu Reglements eine ergänzende Orientierung.

UEFA-Lizenznachweis und FIFA-Vertragsende trennen

Artikel 72 betrifft die Frage, welche Arbeitnehmerverbindlichkeiten ein Lizenzbewerber offenlegt und wie er sie zum maßgeblichen Stichtag nachweist. Daraus folgt nicht automatisch, dass ein Spieler seinen Vertrag vorzeitig beenden darf. Das sind zwei verschiedene Prüfungen mit verschiedenen Rechtsfolgen.

Die FIFA-Regeln zur Vertragsbeendigung wegen überfälliger Zahlungen verlangen eine eigene Prüfung der Voraussetzungen, der schriftlichen Aufforderung und der Nachfrist. Auch eine Gehaltsklage oder ein Verfahren vor dem FIFA Football Tribunal beantwortet nicht allein, ob die Mitarbeitertabelle nach Artikel 72 vollständig und richtig erstellt wurde.

In der Akte sollten deshalb zwei Chronologien geführt werden: eine Lizenzchronologie mit 28. Februar, 31. März, Tabelle und Einreichung sowie eine Vertragschronologie mit Fälligkeiten, Mahnungen, Vereinbarungen und allfälligen Beendigungserklärungen. Der Beitrag zur Freistellung und Vergütungsdokumentation ergänzt die praktische Einordnung von Zahlungsnachweisen.

Das Wichtigste für die Lizenzunterlagen

Beginnen Sie mit einer vollständigen Personenliste. Erfassen Sie Spieler, Staff und relevante Dienstleister mit Funktion, Beschäftigungszeitraum und Vertragsgrundlage. Danach ordnen Sie jede Vergütung nach Fälligkeit, Zahlung, Restbetrag, Stundung oder Streitstatus.

Prüfen Sie anschließend den Stand zum 28. Februar sowie jede Veränderung bis zum 31. März. Stimmen Sie die Tabelle mit der Buchhaltung ab, sammeln Sie die Belege pro Position und halten Sie die schriftlichen Vereinbarungen sowie Verfahrensreferenzen bei gestundeten oder bestrittenen Beträgen fest.

Für die konkrete Einreichung sollten der Spielervertrag mit Nachträgen, Abrechnungen, Zahlungsbelege, Vergleichsvereinbarungen, die Buchhaltungsabstimmung und die unterschriftsreife Bestätigung gemeinsam geprüft werden. Mag. Bernhard Brandauer, Rechtsanwalt, klärt mit Ihnen die nächsten sinnvollen Schritte.

Häufige Fragen zur UEFA-Lizenz und Gehältern

Welches Datum ist für offene Spielergehälter maßgeblich?
Artikel 72 verbindet zwei Zeitpunkte. Bis zum 28. Februar fällige Arbeitnehmerverbindlichkeiten werden erfasst. Zum 31. März muss der Verein nachweisen, dass keine überfälligen Beträge mehr bestehen oder welcher Rest noch offen ist.

Zählt ein Bonus ebenso wie das Grundgehalt?
Das kann der Fall sein, wenn der Bonus aufgrund einer vertraglichen oder gesetzlichen Verpflichtung geschuldet ist. Artikel 72.02 nennt neben Löhnen und Gehältern auch Boni, Bildrechtezahlungen und weitere Vorteile. Anspruch, Fälligkeit und Berechnung müssen belegt werden.

Müssen ehemalige Spieler in die Tabelle aufgenommen werden?
Ja, offene Beträge an Personen, die nicht mehr beschäftigt oder beauftragt sind, bleiben nach Artikel 72.05 im Prüfbereich. Entscheidend sind die Fälligkeit und der Zahlungsstatus der konkreten Verpflichtung.

Wie wird eine gestundete Zahlung dokumentiert?
Die ursprüngliche und die neue Fälligkeit sowie das Datum der schriftlichen Vereinbarung müssen nachvollziehbar sein. Zusätzlich sollte die Tabelle den Betrag als gestundet und nicht pauschal als bezahlt ausweisen.

Beweist die UEFA-Tabelle automatisch einen Anspruch des Spielers?
Nein. Die Tabelle dient dem Lizenznachweis. Ob ein Anspruch besteht, wie hoch er ist oder ob eine Vertragsbeendigung möglich ist, wird nach dem Vertrag, dem anwendbaren Recht und den einschlägigen sportrechtlichen Regeln gesondert geprüft.

Neuer Vertrag, Transfer, offene Vergütung oder Konflikt?

Im Sportrecht entscheiden Fristen und Beweise. Rufen Sie direkt an oder schreiben Sie uns, Rückruf innerhalb eines Werktags.

Kontakt

Direkter Draht in die Kanzlei.

Anschrift

BRANDAUER Rechtsanwälte GmbH Giselakai 51 5020 Salzburg